Das Kalvarienkreuz in Plougastel- Daoulas

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Place du Calvaire
29470 Plougastel - Daoulas

E-Mailplougastel@brest-metropole-tourisme.fr

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DAS GELÜBDE EINES DORFES

Auf der Halbinsel wütete einst die Pest, und zu ihren Opfern zählte auch der Herr von Kérérault, auf dessen einfachem Grabstein aus Schiefer man lesen kann:

 CY GIST LE FEU DE KERAULT /MORT/DE LA PESTE LE DIMANCHE 24 A 1587

(Hier liegt der Herr von Kerault/am Sonntag, den 24. A 1587 an der Pest verstorben.

15 Jahre später, im Jahr 1602, wurde im Innern des Pfarrhofs der auf das Gelübde zurück zu führende Kalvarienberg errichtet, auf dem unter anderem hinter dem Opfertisch jene Heiligen zu sehen sind, die gegen die Pest schützen sollen: der Hl. Roch und der Hl. Sebastian

Der dank des Gelübdes der Dorfbewohner entstandene Kalvarienberg ist ein volkstümliches Werk im wahren Sinne des Wortes. Sein Wurzeln greifen im Glauben, viele seiner Elemente sind auf die volkstümliche Fantasie zurück zu führen, und auf eine dem Volke sehr eigene Art scheint er dem Tod Einhalt gebieten zu wollen.

Der Kalvarienberg von Plougastel kann auf mehreren Ebenen ausgelegt werden, und eine Analyse erweist sich als sehr interessant.

Eine „wortwörtliche" Interpretierung.

Die einfachste Analyse folgt Schritt für Schritt den 28 Szenen aus dem Leben Jesu, die sich an die Bibeltexte anlehnen.

Wie ein Comicstrip aus Stein rollt sich das Leben des Herrn vor unseren Augen ab, wobei wir nicht vergessen dürfen, dass die in Kersanton-Stein gehauenen Statuen ursprünglich bunt waren. Beginnend mit der Verkündigung wird das Leben Jesu eng verbunden mit dem Leben von Maria dargestellt: Verkündigung, Geburt, Beschneidung, Anbetung der drei heiligen Könige, Flucht nach Ägypten. Weiter geht es mit einer Szene, in deren Mitte Gelehrte zu sehen sind.

Die weiteren Episoden führen bis zum Beginn des öffentlichen Lebens, der Taufe am Jordan und der Versuchung in der Wüste.

Für diese chronologische und vordergründige Interpretierung muss man acht Mal um den Kalvarienberg gehen, und eine neunte Umgehung beginnen.

Acht Umgehungen, diese Zahl entspricht den acht Seiten des zentralen Teils des Denkmals. In der christlichen Symbolik steht die Zahl 8 für die Ewigkeit. Zu den 7 Tagen der Woche kommt quasi als idealer Tag ein achter Tag hinzu

 Westseite: Die Anbetung der Drei Könige .

 Westseite: die Reiter LONGIN und STEPHATON

Die 3 Maria: Maria-Salome, Maria, Maria-Magdalena.

EINE ZWEITE SYMBOLISCHE AUSLEGUNG

Bei dieser zweiten Lektüre erblickt man hinter dem, was manche als mangelnde Ordnung ansehen, eine ausgeklügelte und mysteriöse Inszenierung. Um sie zu verstehen, muss sich der Betrachter die Zeit nehmen, den großen Kalvarienberg von Plougastel in vier Bilder einzuteilen. Wenn man die zeitlich gesehen weit auseinander liegenden und sogar entgegen gesetzten Szenen übereinander liest, erhalten sie einen tiefen Sinn.

 ERSTE SZENE

Die aufgehende Sonne leuchtet über den Szenen, welche die ersten Stunden des Lebens Jesu wiedergeben. In der Weihnachtsliturgie wird diese Sonne Sol oriens, die aufgehende Sonne genannt. Als Kontrapunkt erscheint die Grablegung dessen, der den Menschen durch seinen Tod das Leben schenkt. Neben der Grablegung sieht man die Taufe Jesu, die der Hl. Maximus von Turin als Menschwerdung Christi bezeichnet. Jesus wurde an einem bestimmten Tag als Mensch geboren, in den Sakramenten der Kirche jedoch wird er tagtäglich neu geboren. Als Krönung der scheinbar widersprüchlichen Szenen erscheint der auferstandene Christus auf der Rückseite des Kreuzes.

Ostseite: Die Grablegung

ZWEITE SZENE

Die hoch am Himmel stehende Sonne scheint über zwei lange auf der Seite des Kalvarienberges befindliche Friese, auf denen das Abendmahl und die Fußwaschung im Beisein der zwölf Apostel dargestellt sind. Über diesen Szenen ist der Aufstieg zum Kalvarienberg zu sehen, eine Szene mit 13 Personen, durch welche die enge Verbindung zwischen der Eucharistie und dem Kreuz symbolisiert wird, eine von der französischen Schule der Spiritualität vertretene theologische Theorie.

Südfassade: Die Fußwaschung

DRITTE SZENE

Auf der dunklen, dem Schatten und der Nacht zugewandten Nordseite des Denkmals sind die schmerzhaften Szenen der Nacht vom Gründonnerstag auf Karfreitag dargestellt, mit einer Intimität, die nur von wenige Betrachtern genauer analysiert wird. Das Leiden und Sterben Jesu, Petrus, der Malchus ein Ohr abhaut, die Präsentierung Jesu vor Kaiphas, Auspeitschung, Dornenkrone und Todesurteil.

 VIERTE SZENE

Wie auf jedem richtig positionierten Kalvarienberg wird diese Szene von der untergehenden Sonne beleuchtet, denn Christus starb mit dem Kopf nach Westen gedreht.

Wie Job an Irien kürzlich schrieb, befand sich das Paradies dem keltischen Glauben nach im Westen. Und die wesentlichen Szenen mit dem Opfertisch sind an der Westseite des Kalvarienberges dargestellt, zusammengefasst unter der Inschrift „JESUS ROI" (Jesus ist der König), welche gleichzeitig alle anscheinenden Widersprüche löst.

Alle neun Szenen aus dem Evangelium, die hier zu sehen sind, stehen im Zusammenhang mit der Auffassung von Christus als König. Die Anbetung der drei Könige, die Gold, Myrrhe und Weihrauch als königliche Präsente darbringen. Der Einzug in Jerusalem am Palmsonntag unter den Klängen des Hosanna, die Versuchung in der Wüste: „Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest."

Das Urteil des Pilatus: Soll ich euren König kreuzigen? Das Hinabsteigen in die Hölle und die Auferstehung als Symbol des Sieges über die Höllenmächte und den Tod selbst. Jesus inmitten der Gelehrten wird als die am wenigsten „königliche" Szene angesehen, obgleich die Würde des Kindes vor den Gelehrten durchaus eine Verbindung zur den Weisen darstellt, jenen Prinzen des Geistes.

Westfassade: Christus entsteigt als Sieger dem Grab.

ZENTRALE SZENE

In der Überschrift wird der Grund zur Verurteilung Jesu angegeben: „Jesus von Nazareth, König der Juden". Dargestellt sind ebenfalls der gute Schächer: "Herr gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst" und die Engel, Bewohner des himmlischen Königreiches, die mit ihren Kelchen das göttliche Blut auffangen (einige der Engel vom Kalvarienberg in Plougastel sind übrigens verschwunden).

Auch auf anderen zur gleichen Epoche entstandenen Kalvarienbergen (Argol und Châteaulin z.B.) wird Christus auf Inschriften als König der Menschheit bestätigt.

Westfassade: Jesus im Tempel mit den Gelehrten.

 FANTASIE IN EINEM HIERATISCHEN ENSEMBLE

Das Kalvarienkreuz in Plougastel wird allgemein als die hieratischste, die heiligmäßigste Anlage dieser Art angesehen, und dennoch sind zahlreiche fantasievolle Details zu sehen, die dem Betrachter auffallen, wenn er nicht unbedingt nur den religiösen Hintergrund erforschen will.

Zu den bemerkenswertestes dieser Details gehört die Höllenfahrt der Hure Katell Gollet, die wegen ihres Lebenswandels im Höllenofen schmoren muss. (nach Yves-Pascal CASTEL).

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